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Berliner Photoart / Andreas Domma

8. Mai - Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus: Kein erinnerungspolitsicher Schlussstrich mit Hilfe von COVID-19!

„Am 8. Mai jährt sich die Befreiung vom Nationalsozialismus in Deutschland und Europa zum 75. Mal. Dass dieser Tag noch immer kein bundesweiter Feiertag ist, ist Ausdruck unserer brüchigen Erinnerungskultur und der Geringeschätzung für den Beitrag unserer östlichen Nachbarn, die an der Ostfront die schwerste Last bei der Bezwingung des Hitler-Faschismus trugen. Die Bundesregierung hat es versäumt, die Befreierinnen und Befreier der Anti-Hitler-Koalition angemessen zu würdigen. COVID-19 darf nicht als Entschuldigung herhalten, die Defizite bei der Aufarbeitung des Vernichtungskriegs im Osten, der Shoah und des Holocaust an den Sinti und Roma zu vernebeln. Wachsender Antisemitismus und Antiziganismus auf der einen Seite und transgenerationelle Traumaweitergabe bei den Nachkommen der NS-Verfolgten auf der anderen sind Spätfolgen dieser Versäumnisse. Die Bundesregierung hat die Chance vertan z.B. durch die Einrichtung eines deutsch-polnisches Museums oder Unterstützung zivilgesellschaftlicher Bemühungen für ein Denkmal für die polnischen Befreier von Berlin den Versöhnungsgedanken mit unseren östlichen Nachbarn zu stärken“, erklärt Brigitte Freihold, erinnerungspolitische Expertin der Fraktion DIE LINKE, anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus.

Der Ausfall von Gedenkveranstaltungen zahlreicher zivilgesellschaftlicher Initiativen und Gedenkstätten zum 75. Jahrestag der Befreiung aufgrund von COVID-19 ist ein herber Schlag. Viele erinnerungspolitische Einrichtungen und zivilgesellschaftliche Initiativen sind davon auch strukturell betroffen. Bereits vor der Pandemie waren diese dauerhaft unterfinanziert. Die Gewährleistung einer auskömmlichen Finanzierung und Würdigung ihrer erinnerungspolitischen Arbeit ist jedoch auch in der aktuellen Krise möglich und dringend notwendig! Dies betrifft insbesondere die Honorarkräfte an den Gedenkstätten. Auch gesonderte Förderungen von Veranstaltungen durch die Bundesregierung sind mit Ausnahme der Sonderausstellung des Museums Berlin-Karlshorst zum Ende des Zweiten Weltkrieges nicht geplant, ebenso wenig wie Veranstaltungen in Eigenregie der Bundesregierung im Ausland. Das ist ein absolut fatales Signal!

Vor dem Hintergrund des unvollständig aufgearbeiteten NSU-Komplexes, den rechten Morden in Halle und Hanau, Angriffen auf Kommunalpolitiker*innen durch Nazis sowie der Behinderung antifaschistischen Engagements, wie im Falle der VVN-BdA, ist diese mangelnde Priorisierung des Erinnerns durch die Bundesregierung unverantwortlich! Antifaschistische Bildungsträger wie die VVN-BdA, die von überlebenden NS-Verfolgten gegründet wurde und der die Gemeinnützigkeit entzogen werden soll, müssen endlich in ihrer Bedeutung für den Erhalt der Demokratie in unserer Gesellschaft und ihrem Beitrag für Völkerverständigung anerkannt werden.

Esther Bejarano, Überlebende der Shoah, schrieb in ihrem Offenen Brief zum 27. Januar 2020: „Wer den letzten Krieg vergisst, der bereitet schon den nächsten vor!“ Wir sind deswegen dazu verpflichtet, unsere historische Verantwortung ernst zu nehmen! Dafür ist die Einführung eines bundesweiten Feiertages zum 8. Mai ein unerlässlicher Schritt, ebenso wie strukturelle Änderungen der erinnerungspolitischen Fördermaßnahmen, um die Auseinandersetzung mit der Shoah und dem Holocaust an den Sinti und Roma in der schulischen, politischen und kulturellen Bildung zu verankern. Die Anerkennung und Entschädigung aller hochbetagten NS-Verfolgten und ein würdiges Gedenken an all jene, die während der NS-Diktatur entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet wurden, hat gerade in Zeiten von COVID-19 höchste Priorität!

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