Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Gespräch mit Kambanda Nokokure Veii, Generalsekretärin der Ovaherero Genocide Foundation (OGF) und Direktorin des neu gegründeten Riruako Center for Genocide

Am Freitag, den 28 Juni, habe ich Kambanda Nokokure Veii, Generalsekretärin der Ovaherero Genocide Foundation (OGF), und Christian Kopp von Berlin Postkolonial e.V. | Bündnis „Völkermord verjährt nicht!“ zu einem Gespräch im Deutschen Bundestag eingeladen, um sich über die notwendigen Maßnahmen zur Aufarbeitung des Genozids an den Ovaherero und Nama auszutauschen und mehr zu erfahren über die Bemühungen der Nachkommen der ehemals Kolonisierten um eine angemessene bildungs- und kulturpolitische Berücksichtigung dieser Thematik in Namibia.

Die Ovaherero Genocide Foundation ist eine unabhängige Vertretung der Ovaherero, die sich mit den Folgen des deutschen Genozids an den Ovaherero und Nama 1904 in Namibia auseinandersetzt. Der Verein Berlin Postkolonial leistet dabei seit Jahren einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung für das Thema und Dekolonisierung und kämpft gemeinsam mit der schwarzen Community in Deutschland u.a. um die Anerkennung der Nachkommen als eigenständige Akteure in der Debatte um Aufarbeitung des deutschen Kolonialismus.

Im Jahr 2018 wurde in Namibia das Riruako Center for Genocide & Memory Studies als eine Informationsstätte gegründet. Die Einrichtung soll zu einer universitären Bildungseinrichtung ausgebaut werden. Gemeinsam mit der Ovaherero Genocide Foundation soll damit darauf hingewirkt werden, über den Völkermord der Deutschen an den Ovaherero und Nama aufzuklären und das Ereignis in der Bildung zu verankern.

Bislang hat es die Bundesrepublik versäumt, den Völkermord und das deutsche Kolonialregime insgesamt als Unrechtsystem offiziell anzuerkennen und Reparationen zu leisten. Beispielsweise fehlt es an einem Beitrag für die Bemühungen der Nachkommen angemessene Erinnerungsorte und Gedenkstätten in Namibia, Botswana und Südafrika zu errichten, damit die Erinnerung und das Wissen über den Genozid bewahrt und darüber aufgeklärt werden kann. Die bildungspolitische Verankerung dieses Wissens könnte auch einen wichtigen Beitrag bei der Bearbeitung der transgenerationellen Traumaweitergabe leisten.

Brigitte Freihold erläuterte vor diesem Hintergrund ihre bisherigen parlamentarischen Bemühungen im Hinblick auf eine umfassende Dekolonisierung der Bundesrepublik u.a. auch durch Gründung einer speziellen Bundesstiftung sowie die Forderung nach einer Restitution geraubter Kulturgüter aus kolonialen Kontexten durch ein entsprechendes Restitutionsgesetz in der Bundesrepublik. Nach wie vor sind weder deutsche Museen und Sammlungen dekolonisiert, noch wurde ein gesamtgesellschaftlicher Dekolonisierungsprozess in den Weg geleitet. Dieser darf nur unter maßgeblicher, auch institutionalisierter Beteiligung der Nachkommen versklavter und kolonisierter Menschen initiiert werden.

Deshalb tauschten sich die Gesprächspartner*innen auch intensiv über parlamentarische Initiativen aus, bei denen die Notwendigkeit einer strukturellen Verankerung des Wissens über den Völkermord in der kulturellen, politischen und schulischen sowie außerschulischen Bildung im Vordergrund stand. Darüber hinaus wurden Maßnahmen besprochen, wie die erinnerungskulturellen Bemühungen der Nachkommen in Namibia in der Bundesrepublik unterstützt werden könnten. So wurde die Förderung von Austauschprogrammen zwischen Wissenschaftler*innen, Forscher*innen, Aktivist*innen und Studierenden aus Deutschland und Namibia unter der Federführung des Riruako Center for Genocide & Memory Studies und der Ovaherero Stiftung besprochen, die auf der Grundlage der Gleichberechtigung und Respektierung entwickelt werden müssen. Die Bundesrepublik sollte dabei das Riruako Center for Genocide substantiell fördern und zugleich die rechtliche und ggf. auch physische Restitution, namentlich auch von menschlichen Gebeinen, unter Einbindung der Nachkommen ermöglichen.

Weitere Informationen

Antrag der Abgeordneten Brigitte Freihold „Koloniales Unrecht in Deutschland umfassend aufarbeiten - Nachkommen einbeziehen“ (Bundestags-Drucksache 19/8961)

Antrag der Abgeordneten Brigitte Freihold „Restitution von Kulturgut aus kolonialen Kontexten gesetzlich regeln“ (BT-Drs. 19/9340)

Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Brigitte Freihold „Aufarbeitung, Entschädigung und kulturelle Bildung zur deutschen Kolonialherrschaft und Gewaltverbrechen der Kolonialzeit“ (BT-Drs. 19/7109)

Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Mögliche Behinderung der Restitution von Kulturgütern aus kolonialen Kontexten“ (BT-Drs. 19/10217)


Newsletter

Berlinfahrten 2019

20. bis 23. März 2019
03. bis 06. Juli 2019
16. bis 19. Oktober 2019

Nähere Informationen und Anmeldung:

Wahlkreisbüro Brigitte Freihold MdB
Kaiserstraße 45
66955 Pirmasens

Tel.: 06331 1441 226
E-Mail: brigitte.freihold.wk@bundestag.de

Themen A - Z

Parlamentarische Arbeit

Newsletter der Fraktion

Mediathek