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Berliner Photoart / Andreas Domma

Mehr Sichtbarkeit für das vielfältige jüdische Leben in der Bundesrepublik! Kulturelles und historisches Wissen als Antwort auf Antisemitismus!

„Erinnern heißt handeln! Neben einer lebendigen Erinnerungskultur, die uns mahnende Ereignisse der Vergangenheit nicht vergessen lässt, brauchen wir ein aktives und couragiertes Vorgehen gegen antisemitische Ressentiments, Anfeindungen und Übergriffe - von jedem einzelnen, jeden Tag aufs Neue. Unerlässliche Grundlage dafür ist die Sichtbarkeit des jüdischen Lebens mit all seinen Facetten sowie fundiertes Wissen über die jüdische Religion und die jüdische Kultur in der Gesellschaft!“, erklärt Brigitte Freihold, erinnerungspolitische Expertin der Fraktion DIE LINKE, anlässlich des ersten Jahrestags des antisemitischen, rassistischen und frauenverachtenden Anschlags auf die Synagoge in Halle an Jom Kippur.

Freihold weiter: „Die Verfolgung und Ermordung von mehr als sechs Millionen jüdischer Menschen im Nationalsozialismus bleibt für immer ein schrecklicher und prägender Teil der deutschen Geschichte. Es ist unsere Pflicht, an diese Gräueltaten zu erinnern und der Opfer zu gedenken. Damit ist das Vermächtnis verbunden, Verantwortung zu übernehmen und die terroristischen Ausprägungen des Antisemitismus in der Gegenwart als Kernideologie des Rechtsextremismus zu begreifen, gegen deren Netzwerke zu ermitteln und strafrechtlich zu verfolgen. Die Täter*innen, die sich virtuell und weltweit vernetzen, setzen ihre tödliche Botschaft nicht mehr nur mit traditionell bekannten Mitteln um. Sie nutzen Streaming-Dienste, virtuelle Plattformen und das Darknet. Hier ist Ermittlungstätigkeit gefordert und Strafverfolgung. Der Attentäter von Halle war zu allem entschlossen, wollte die Beter*innen in der Synagoge töten und hatte dabei Claqueure. Jana L. und Kevin S. waren es, die ihm schließlich und willkürlich zum Opfer fielen und die er ermordete.

Wir müssen den Überlebenden von Halle und den Familienangehörigen beistehen und Antisemitismus und Rassismus ächten. Zahlreiche Nebenkläger*innen des Halle-Prozesses haben ihre große Betroffenheit und ihr Mitgefühl mit den Opfern des Anschlags und ihren Familienangehörigen zum Ausdruck gebracht. Sie haben deutlich gemacht, wie sehr sie unter den Folgen des Anschlags leiden und dass das Judentum stärker ist als das. Im Gerichtssaal sprachen sie darüber, was ihnen das Jüdischsein bedeutet - und wie sehr sie sich auch als Boten der Überlebensgeschichte ihrer Großeltern verstehen. Die Menschen vertraten sich selbstbewusst und nicht als Opfer. In ähnlicher Weise machten das die Überlebenden des Anschlags auf den Kiez-Döner deutlich, die muslimisch geprägt sind und viele Jahre bereits in der Bundesrepublik leben. „Ich will diese Gesellschaft vor diesem Hass beschützen, weil es auch mein Zuhause ist“, sagte İsmet Tekin.

Viele Überlebende machten in ihren Stellungnahmen vor Gericht auch deutlich, dass sie sich mehr kulturelle Sensibilität wünschen und einen respektvolleren Umgang durch die Polizei erwartet hätten. Die Verschiedenheit jüdischer Kultur und Religion wahrnehmen und sich solidarisch mit den Anderen verhalten, das war die unüberhörbare Botschaft! Dazu gehört auch, dass wir den antisemitischen Charakter zahlreicher Verschwörungsmythen offenlegen müssen. Ich fordere deswegen neben der fortdauernden Aufgabe der Aufarbeitung der Shoah in den Schulen auch eine weiterreichende Auseinandersetzung mit der jüdischen Kultur, ihrer Vielfältigkeit und die Würdigung des Beitrags, den jüdische Bürger*innen für die Gesellschaft seit Jahrhunderten leisten! Der jüngste antisemitische Angriff vor der Synagoge Hohe Weide in Hamburg hat die Dringlichkeit dessen noch ein weiteres Mal untermauert!“


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E-Mail: brigitte.freihold.wk@bundestag.de

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