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Brigitte Freihold und Dr. Manuela Bauche

Öffentliche Anhörung im Kulturausschuss zur Aufarbeitung des Kolonialismus

Freihold mit Prof. Dr. Bénédicte Savoy

Am Mittwoch, den 3. April 2019, fand im Ausschuss für Kultur und Medien des Deutschen Bundestags eine Anhörung zum Thema Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten statt. Grundlage waren Anträge der FDP-Fraktion (19/8545) und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (19/7735).

Als Sachverständiger*innen waren anwesend Prof. Dr. Wiebke Ahrndt, Direktorin des Übersee-Museums Bremen und Leiterin des Arbeitskreises des Deutschen Museumsbundes zu Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten; Dr. Manuela Bauche, Historikerin an der Freien Universität Berlin und Mitglied des Bündnisses Decolonize; Dr. Guido Gryseels, Generaldirektor des Königlichen Museums für Zentralafrika in Tervuren (Belgien); die Historikerin Prof. Dr. Rebecca Habermas von der Georg-August-Universität Göttingen; Dr. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz; Rechtsanwalt Ludwig von Pufendorf; die Kunsthistorikerin Prof. Dr. Bénédicte Savoy von der Technischen Universität Berlin; Prof. Dr. Louis Henri Seukwa, Professor für Erziehungswissenschaften an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg sowie Prof. Johannes Vogel, Generaldirektor des Naturkundemuseums Berlin.

Manuela Bauch betonte zu Beginn der Anhörung, dass als erster Schritt zur Aufarbeitung des Kolonialismus, dessen Anerkennung als Unrechtsregime unumgänglich ist. Die Forschung und der aktuelle Wissenstand zeigen deutlich, dass das systematisch begangene Unrecht und die unzähligen Gewaltverbrechen in den ehemaligen Kolonien Hauptbestandteil des damaligen Herrschaftssystems waren. Das Unrechtsystem der Kolonialherrschaft hat weltweit Gesellschaftsstrukturen, Religionen und Kulturen zerstört, von europäischen Interessen bestimmte politische Grenzziehungen hervorgebracht und die kolonisierten Gesellschaften überformt und dabei auch Deutschland selbst und unsere Gesellschaft tiefgreifend geprägt. Deswegen ist eine Anerkennung als Unrechtsregime, wie dies auch für den Nationalsozialismus erfolgte, längst überfällig.

Auch Rebecca Habermas betonte die bis heute anhaltende Wirkmächtigkeit des kolonialen Erbes und stellte heraus, dass die Aufarbeitung nur gemeinsam mit den Gesellschaften der ehemaligen deutschen Kolonien möglich sei. Sie fordert deswegen Kooperationen und Dialoge mit den Herkunftsgesellschaften, die Einbindung internationaler Expert*innen und der zahlreichen zivilgesellschaftlichen Initiativen, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass die Debatte zur Aufarbeitung des Kolonialismus ins Zentrum des öffentlichen Bewusstseins gerückt ist. Darüber hinaus hält sie eine offensive Restitutionspolitik ohne sogenannte Rettungsnarrative und koloniale Nostalgie für notwendig.

Bénédicte Savoy machte in ihrem Statement klar, dass dafür digitalisierte Inventarlisten notwendig sind, die unverzüglich für alle zugänglich gemacht und sukzessive ergänz werden müssen: „Eine Bibliothek ohne öffentliche Inventarlisten und Kataloge ist nichts als ein Bücherhaufen, mit dem niemand etwas anfangen kann.“ Gleiches gilt ihrer Meinung nach für die Inventare von Museen. Wiebke Ahrndt und Hermann Patzinger betonen, dass es dafür jedoch mehr finanzielle Mittel und vor allem mehr dauerhafte Stellen in Museen bräuchte.

Darüber hinaus übte Savoy scharfe Kritik an der Bundesregierung. Diese gäbe in parlamentarischen Anfragen zum Umgang von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Museen unzureichend Auskunft, obwohl ein Blick in Kataloge, Inventarlisten und Publikationen der Museen der 1960er und 1970er Jahre viele Informationen auf den kolonialen Ursprung der geraubten Objekte aufweist. Wer behauptet, es gäbe keine konkreten Zahlen und Fakten, der hätte schlichtweg kein Interesse daran, diese offen zu legen.

Besonders eindrücklich war ihr Verweis auf eine europäische Diskussion zu dem Thema in den Jahren 1978-1982, bei der sich die damalige Staatsministerin im Auswärtigen Amt Hildegard Hamm-Brücher explizit für Rückgaben ausgesprochen hatte. Savoy führte weiter aus, dass Akten aus dem politischen Archiv des Auswärtigen Amts belegen, dass die Museen aktiv vor Provenienzrecherchen gewarnt und sich gegen Rückgaben ausgesprochen hätten, sodass die Diskussion bewusst erstickt wurde! Daraus resultiert, dass der aktuelle Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten nicht allein den Museen überlassen werden darf!

Die Aufarbeitung des Kolonialismus ist dabei keine museale, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, zu der deutlich mehr gehört, als die Restitution von Objekten aus kolonialen Kontexten und vor der sich die Bundesregierung nicht länger drücken kann!

Deswegen fordere ich in Anknüpfung an die Anhörung von der Bundesregierung mit einem eigenen Antrag „Koloniales Unrecht in Deutschland umfassend aufarbeiten - Nachkommen einbeziehen“ (Bundestags-Drucksache 19/8961) die Einrichtung einer unabhängigen Bundesstiftung zur Aufarbeitung des Kolonialismus sowie ein umfassendes Restitutionsgesetz, dass für die Rückgabe von Kulturgütern verbindliche Regeln für Museen, aber auch private Sammler vorgibt!


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Dienstag, 16. April 2019, 17 bis 18 Uhr
Pirmasens, Wahlkreisbüro, Kaiserstr. 45

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