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Brigitte Freihold an der ehemaligen Rampe am Bahnhof Sobibor

Unterstützung für die Gedenkstätte Sobibor: Eine pro-aktive erinnerungspolitische Haltung zum Holocaust seitens der Bundesregierung ist noch immer nicht erkennbar

„Die Gestaltung der neuen Dauerausstellung der Gedenkstätte Sobibor kann mit den finanziellen Zusicherungen nun endlich ausgeschrieben und realisiert werden. Das ist ein wichtiger, jedoch längst überfälliger und bei weitem noch unzureichender Schritt“, erklärt Brigitte Freihold, erinnerungspolitische Expertin der Fraktion DIE LINKE anlässlich der Unterzeichnung einer Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und der Auschwitz-Birkenau Foundation bezüglich der Unterstützung der Gedenkstätte des ehemaligen deutschen Vernichtungslagers in Sobibor.

Freihold weiter: „500.000 Euro wurden durch die große Koalition nun für die Umsetzung einer Dauerausstellung in der Gedenkstätte Sobibor zugesichert, die einen essenziellen Baustein der Bildungs- und Erinnerungsarbeit mit Blick auf die sogenannte Aktion Reinhardt darstellt und bereits seit langem geplant ist. Weitere 500.000 Euro wurden schon im Vorfeld zugesagt, jedoch bisher nicht abgerufen und ausgezahlt. Die Fraktion DIE LINKE setzt sich schon seit Jahren für die Unterstützung des Vorhabens ein und begrüßt daher, dass die große Koalition daraufhin nun endlich tätig geworden ist. Zu betonen ist aber auch, dass die nun vereinbarte Unterstützung lediglich einen ersten Schritt darstellen kann. Dringend notwendig sind umfassende und ganzheitliche Bildungsmaßnahmen, die die Förderung von Forschung sowie Gedenken und Erinnerung an die planmäßige Ermordung europäischer Juden, aber auch Sinti und Roma, mit historischer Vermittlung, unter Einbezug der Zivilgesellschaft, verbinden. Dafür braucht es weitere finanzielle Unterstützung. Nur so kann die beispiellose Geschichte und das Vermächtnis des Holocaust, durch den drei Viertel der europäischen Juden vernichtet wurden, für zukünftige Generationen im Gedächtnis bewahrt und für alle Zeiten daran erinnert werden, denn genau dazu hat sich die Bundesregierung in der Theresienstädter Erklärung verpflichtet. Dennoch hat sie weder zum Jahrestag des Warschauer Aufstandes im April ein eigenständiges Gedenken durchgeführt, noch zum Jahrestag der Aufstände in den deutschen Vernichtungslagern Treblinka im August beziehungsweise Sobibor im Oktober.

Die bisher fehlende Förderung durch die Bundesregierung hat die Situation in Sobibor verkompliziert, denn eine öffentliche Ausschreibung für die Ausgestaltung der geplanten Ausstellung konnte bisher nicht realisiert werden. Das ändert sich nun mit der unterzeichneten Vereinbarung.

Insgesamt ist das Vorgehen der Bundesregierung dennoch unkoordiniert und wenig substanziell. Eine pro-aktive erinnerungspolitische Haltung zum Holocaust, zur „Aktion Reinhardt“, aber auch zum jüdischen Widerstand lässt sich nicht feststellen. Im Gegenteil, die Bundesregierung weigerte sich bislang, einen eigenständigen, substanziellen erinnerungspolitischen Beitrag zu leisten, um notwendige Maßnahmen voranzutreiben. Zu diesen zählt zum Beispiel die Vertiefung des deutsch-polnisch-jüdischen wissenschaftlichen Austausches und der Forschung zur „Aktion Reinhardt“ unter Einbeziehung deutscher Mittlerorganisationen wie dem Deutschen Historischen Institut (DHI) (Warschau), universitären Einrichtungen wie dem Touro College (Berlin) und Kooperationen mit dem Jüdischen Historischen Institut (ŻIH) (Warschau) sowie der Rabbiner Kommission für Jüdische Friedhöfe (Warschau). Aber auch Beiträge zur Sanierung und Sicherung der Infrastruktur in der Gedenkstätte Treblinka und zur Fortbildung von Lehrkräften und Akteuren der Jugendbildung zur Vorbereitung auf trilaterale Jugend-Begegnungsprojekte zur „Aktion Reinhardt“ wären wichtige Schritte. Zur Koordinierung muss endlich auch ein wissenschaftlicher Beirat eingerichtet werden, wie dies im Unterausschuss Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik durch Experten des Fachgesprächs am 16.01.2017 gefordert wurde.“

DIE LINKE bemüht sich bereits seit 2012 um eine Gewährleistung der Finanzierung der Gedenkstätten ehemaliger deutscher Vernichtungslager und legte bereits 2015 einen mit dem Partner Polen entwickelten umfassenden Haushaltsänderungsantrag zur Sicherstellung einer langfristigen Perspektive der Bildungs- und Erinnerungsarbeit an den Gedenkorten der „Aktion Reinhardt“ in Sobibor, Treblinka und Bełżec vor. Die bisherigen Bemühungen um eine langfristige Sicherstellung von Bildungsmaßnahmen wurden durch die Regierungskoalition jedoch immer wieder abgelehnt.

Während der „Aktion Reinhardt“ wurden zwischen März 1942 und November 1943 in dafür errichteten deutschen Vernichtungslagern Treblinka, Bełżec und Sobibor planmäßig über zwei Millionen polnische Jüdinnen und Juden sowie Sinti und Roma durch Nazis ermordet.


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