Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Jude wieder Schimpfwort auf Schulhöfen

Zu den Themenbereichen Antisemitismus und Gedenkarbeit in Rheinland-Pfalz tauschten sich die Bundestagsabgeordnete Brigitte Freihold (DIE LINKE), Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien, Schwerpunkt Erinnerungs- und Gedenkpolitik, und Dieter Burgard, Beauftragter der Ministerpräsidentin für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen, aus.

Dieter Burgard ist Ansprechpartner für die jüdischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz und koordiniert die Bekämpfung und Prävention von Antisemitismus. Burgard berichtete, dass allein im vergangenen Jahr in Rheinland-Pfalz 32 antisemitische Straftaten registriert wurden. Unter anderem wurde in Speyer ein Mitarbeiter der jüdischen Gemeinde verprügelt, in Kaiserslautern eine Synagoge und bei Trier ein jüdischer Friedhof geschändet.

Auf Schulhöfen ist „Jude“ wieder ein gängiges Schimpfwort. Dem entgegen setzt der Beauftragte der Ministerpräsidentin für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen beispielsweise eine Lesetour an Schulen mit dem Autor Timo Büchner, der über Antisemitismus in rechter Rockmusik schreibt. Bei den Schülerinnen und Schülern stößt die Lesetour auf großes Interesse.

Von einer weiteren Aufgabe berichtete Burgard mit der Umbenennung von Straßen und Gebäuden, die noch Namen von Antisemiten tragen, etwa die nach Eduard Spranger benannten Schulen. Freihold ergänzte, dass auch nach Rassisten des deutschen Kolonialismus heute noch öffentliche Plätze benannt sind. Der koloniale Völkermord gehört zur Vorgeschichte des Holocaust.

Bei der Gedenkarbeit betonte Freihold den Dreiklang von Erforschung des Holocaust, des Gedenkens daran und der Weitergabe an die zukünftigen Generationen. Dafür setzt sie sich etwa bei den nationalsozialistischen Vernichtungslagern in Polen ein. Um die Erinnerung für die Zukunft zu sichern, muss die Gedenkarbeit pädagogisch weiterentwickelt werden.

In Rheinland-Pfalz werden zukünftig alle Schülerinnen und Schüler mindestens einmal in ihrer Schulzeit eine Gedenkstätte besuchen. Freihold begrüßte diesen Schritt als wichtigen Beitrag zur Demokratieerziehung und betonte, dass die staatliche Gedenkarbeit des Landes ausreichend finanziert werden muss.

Burgard und Freihold unterstrichen die Notwendigkeit und Bedeutung des Kampfes gegen jegliche Form von Antisemitismus. Hierbei sicherte Freihold ihre Unterstützung zu. Zudem vereinbarten beide, den Austausch fortzuführen und gemeinsame Aktivitäten auszuloten.